Alte Donau Vorschrift

Vorschriften für Boote an der Alten Donau

Von Stefan Tesch

Rettungsring, Schwimmwesten & Co. – Was du an der Alten Donau an Board deines Elektrobootes haben musst, damit dich die Polizei nicht bestraft. Fisch Ahoi hat sich die Gesetzeslage angeschaut.

Im Kleinod am Wiener Stadtrand ziehen dunkle Wolken auf. Zu viele Boote und zu viele Parties am Wasser forderten ihre Opfer (u. a. zwei Ertrunkene 2018, sowie eine aus dem Boot gefallene Betrunkene 2020). So entschied sich offenbar die Polizei im Sommer 2020, ihre in Kaisermühlen stationierte Zille nicht nur für Spritztouren zu nützen, sondern für Kontrollen. Denn Booten mit Elektromotor lässt sich aufgrund zweier Gesetze mächtig auf die Pelle rücken:

Befahrungsordnung (Auszug)

  • Verbrennungsmotor ist verboten (Ausnahme: Behörden- und Ragatta-Boote)
  • Boote mit elektrischem Antrieb dürfen max. 7 km/h Höchstgeschwindigkeit und max. 4400 Watt Leistung aufweisen
  • Maximale Bootslänge: 7 m (Ausnahme: Boote von Ruder- & Kanuvereinen)
  • Private Mehrrumpfboote sind verboten, ausgenommen sie sind aus Gummi oder ähnlichem Material
  • Verbot des Wellenschlagens gilt für alle Wasserfahrzeuge.
  • Die für den Leistungssport eingesetzten Ruderboote, Kanus, Kajaks, Segelboote und Surfbretter haben keinen Vorrang vor Schwimmern und Freizeitbooten (Miet- und Privatboote), auch nicht im Training oder bei Veranstaltungen und müssen ausreichenden Sicherheitsabstand einhalten
  • Das längerfristige Abstellen und Verheften von Booten, Surfbrettern und Schwimmkörpern auf der Wasserfläche ist nur an Privatstegen und -flößen sowie bei Bootsvermietern und -einstellern erlaubt.
  • Auf der freien Wasserfläche und in den öffentlich zugänglichen Uferbereichen ist das Nächtigen verboten

Mitzuführende Gegenstände (lt. § 30 Seen- und Fluss-Verkehrsordnung)

  • Ein oder zwei Anker mit einer Gesamtmasse MA [kg] von mindestens 1,5 mal der Länge über alles*; auf Fahrzeugen, die mit zwei Ankern ausgerüstet sind, darf die Masse jedes Ankers nicht weniger als 45 vH** der Gesamtankermasse betragen
  • Zwei Festmacherleinen mit einer Länge [m] von mindestens 1,5 mal der Länge über alles* und einer Bruchlast [kN] von mindestens 0,5 mal der Länge über alles*
  • Ein Bootshaken
  • Ein Rettungsring oder ein gleichwertiges Einzelrettungsmittel (Kissen, Bälle, Fender oder ähnliches gelten nicht als Rettungsmittel)
  • Eine Rettungsweste für jede Person an Bord
  • Erste-Hilfe-Ausrüstung
  • eine Einstiegshilfe

In Sachen Alkohol gilt die 0,5-Promille-Grenze (§ 3).

*) Länge über alles: Gemessen zwischen dem hintersten und vordersten festen Punkt des Schiffes
**) vH: von Hundert

Kennzeichnung (lt. § 34 Seen- und Fluss-Verkehrsordnung)

  • Der Name des Boots (auch als Nummer möglich) muss an der Außenseite des Kleinfahrzeugs in mindestens 10 cm hohen, gut lesbaren und dauerhaften lateinischen Schriftzeichen angebracht sein (§ 34)
  • Name und die Anschrift des Eigentümers sind an gut sichtbarer Stelle an der Innen- oder Außenseite des Kleinfahrzeugs anzubringen. (§ 34)

Warum das (größtenteils) überzogen ist

Die Seen- und Fluss-Verkehrsordnung (ebenso wie das Schifffahrtsgesetz) gilt für öffentliche Fließgewässer, sowie die meisten Seen Österreichs. Ebenso gilt sie für „schiffbare Privatgewässer, soweit die über diese Privatgewässer Verfügungsberechtigten nichts anderes bestimmen“ (§ 1 Seen- und Fluss-Verkehrsordnung). Auch wenn es auf den ersten Blick nicht so scheint: Die Alte Donau ist ein Privatgewässer und ihre Verfügungsberechtigen heißen Via Donau – Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH und Stadt Wien – Magistratsabteilung 45).

Und diese zwei Verfügungsberechtigen haben mit der Herausgabe der Befahrungsverordnung etwas übersehen: Sie lassen die volle Seen- und Fluss-Verkehrsordnung in Kraft treten, obwohl sich diese (ebenso wie das Schifffahrtsgesetz) in erster Linie an die gewerbliche Großschifffahrt (Schubverbände), sowie an Sportboote mit Verbrennungsmotor. Dass nun das kleine Schlauchboot mit E-Motor vor dem Gänsehäufel die gleichen Utensilien wie eine 300-PS-Yacht auf der Donau mit sich führen muss, scheint man dabei nicht bedacht zu haben.

Bei Fehlen mehrere Ausrüstungsgegenstände fallen kolportierte 280 Euro Strafe an.

Was ist die Donauhochwasserschutz-Konkurrenz (DHK)?

Die Donauhochwasserschutz-Konkurrenz (DHK) wurde 1927 als rechtliche Nachfolgerin der Donauregulierungskommission zur Erhaltung von Hochwasserschutzanlagen in Wien und Niederösterreich gegründet. Sie besteht aus den drei Kurienpartnern Bund, Land Niederösterreich und Stadt Wien. Den Vorsitz hat das Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie (bmvit) inne. Via Donau – Österreichische Wasserstraßen-Gesellschaft mbH ist die geschäftsführende Stelle der DHK und betreibt das Liegenschaftsmanagement. (Quelle: viadonau.org)

Was ist die Alte Donau?

Der ehemalige Donaualtarm erstreckt sich über sechs Kilometer Länge von Floridsdorf im Norden bis in die Donaustadt im Süden und ist ein beliebtes Naherholungsgebiet. Neben dem Gänsehäufel befinden sich dort zahlreiche weitere Freibäder (aktuelle Wasserqualität). Ebenso beheimatet die Alte Donau viele Rudervereine, Segelschulen, Lokale und Bootsverleiher. Daher kommt es bei Schönwetter von Frühling bis Herbst zu erheblichem Besucheraufkommen an den Ufern sowie zu regem Bootsverkehr am Wasser. Das führt oft zu Reibereien zwischen verschiedenen „Nutzern“: Angler, Ruderer, Segler, Schwimmer, …

Da die Alte Donau nur wenige Meter tief ist und sich schnell erwärmt, sprießen die Wasserpflanzen (vor allem das Tausendblatt). Die Gemeinde Wien mäht daher diese von Frühlig bis Herbst mit Mähbooten ab. Manchmal schießt man dabei über das Ziel und mäht radikal alles ab, in anderen Jahren ist die Alte Donau hingegen von einem Pflanzenteppich überzogen.

Nährstoffreiches Wasser und viel Bewuchs sorgen für einen guten Bestand an Fischen. Bewirtschaftender Verein ist die Österreichische Fischereigesellschaft (mehr dazu im Beitrag über Angeln an der Alten Donau)

Wo kann man sich Boote ausborgen?

An der Alten Donau gibt es zahlreiche Bootsverleiher, wo man sich Tret-, Elektro- und Segelboote sowie SUP-Bretter und „schwimmende Inseln“ ausborgen kann. Hier ein Auszug: