Heimischer Fisch

Wie viel heimischen Fisch essen wir?

von Stefan Tesch

Zander statt Kabeljau? Fisch Ahoi mit den Zahlen, ob der gesamte Fischkonsum überhaupt durch heimische Flossenträger gedeckt werden kann.



„Das Meer braucht eine Pause“, lautet der Claim der ORF-Sendung „Fisch Ahoi“ (die übrigens außer des Namens nichts mit unserem Podcast zu tun). Dort geht es um die Frage, ob und wie klassische Fischkonserven aus Meeresfisch durch Flossenträger aus heimischen Gewässern ersetzbar sind.

Guter Ansatz. Doch wie steht es tatsächlich um den Fischkonsum hierzulande? Und könnte der Hunger nach Fisch durch Karpfen, Forelle und Zander gedeckt werden? Fisch Ahoi hat die Zahlen und mögliche Erklärungsversuche.

Wie viel Fisch essen wir?

  • Pro Jahr werden in Österreich 2.400 Tonnen Speisefisch produziert (hinzu kommen noch 900 Tonnen Besatzfisch)
  • Fast zur Gänze wird diese Menge direkt von den Erzeugerbetrieben (Zucht) verarbeitet. Der Verkauf erfolgt hauptsächlich an die Gastronomie und als Ab-Hof . In den Großhandel gelangen laut Umweltministerium nur wenige Prozent, denn der Preisdruck durch Massenware sei zu groß.
  • 7,5 Kilo Fisch verspeist ein Österreicher pro Jahr
  • Der gesamte Fischkonsum in Österreich liegt bei 63.000 Tonnen
  • Der Selbstversorgungsgrad von Fisch durch heimische Ware liegt bei fünf Prozent. 95 Prozent sind Importe.
  • 482 Aquakultur-Betriebe gibt es in Österreich

Fazit: Der Bedarf an Fisch kann nicht von heute auf morgen ausschließlich durch heimische Warte gedeckt werden. Zwar gibt es Zuchtbetriebe, die noch Kapazitäten hätten (oder beim Wildfang am Hallstätter See), doch den gesamten Fischkonsum von 63.000 Tonnen können heimische Betriebe nicht stemmen.

Welche Fische werden in Österreich produziert?

Fischart Tonnen (Lebendgewicht)
Forelle (Regenbogen, Bach, See) 1.699
Saibling (Bach, See, Elsässer) 988
Karpfen 620
Afrikanischer Raubwels (nicht heimisch!) 445
Bach- & Seeforelle 396
Seesaibling 237
Zander 9
Hecht 6
Europäischer Wels 5

Die 2017 in Österreich produzierte Menge ist um elf Prozent mehr als im Jahr davor. Gegenüber vor zehn Jahren sind es 33 Prozent, und im Vergleich zu vor 20 Jahren ein Anstieg um 52 Prozent. Keine schlechten Zuwächse, jedoch angesichts fünf Prozent Eigenversorgung mit heimischem Fisch, ein Anstieg auf niedrigem Nievau.

Sieht man sich die Zahlen der heimischen Fischproduktion an, fällt auf, dass dass der Afrikanische Raubwels knapp zwölf Prozent macht. Skurril, denn dieses Tier ist bei uns ganz und gar nicht heimisch. Aus Aquakulturen entkommene fremde Arten stellen oft eine Bedrohung für heimische Arten dar. Eine Übersicht heimischer Fischarten gibt es hier.

Warum wird nicht mehr heimischer Fisch gegessen?

Der Preis: Während ein Kilo Pangasius-Filets im Supermarkt sechs Euro (Billa) kostet, kommt ein Kilo Forellen-Filet auf 27 Euro (im Ganzen jedoch nur 16 Euro; Preise lt. Mentz). Zum Vergleich: ein Kilo Kabeljau kostet etwa 18 Euro, was den Abstand zur Forelle überschaubar macht. Ein Kilo Karpfen-Filet kostet 27 Euro, im Ganzen sind es 15 Euro (Preis lt. Gut Hornegg)

Verarbeitung & Wissen: Eine Thunfischdose ist schnell aufgemacht und über den Salat geleert. Fischimporte gibt es häufig in essfertig verarbeiteter Form. Auch die tiefgefrorenen Pangasius-Filets muss man nur mehr in die Pfanne geben. Eine Forelle hingegen gibt es meist nur frisch, man muss sie braten und am Teller zerlegen (und sich dabei die Finger „schmutzig“ machen). Praktisch ist das nicht, und zeitaufwändig. Zudem fehlt es vielen am Wissen, wie man heimischen Fisch zubereitet. Doch warum gibt es heimischen Fisch so selten als Tiefkühlprodukt? Er hält nämlich genauso wie Meeresfisch mehrere Monate im Eis. Hier müssten Produzenten und Handel eine Lanze brechen. Denn wer Regionalität und Nachhaltigkeit bei Obst, Gemüse und Fleisch predigt, sollte auch Fisch miteinbeziehen.

Gräten: Die Angst vor Gräten schwingt oft mit. Teils unbegründet, denn Filets sind fast grätenfrei und stehen Meeresfischen sowie Pangasius & Co. um nichts nach. So haben etwa Forelle, Saibling, Reinanke sowie der Wels außer den dicken Bauchgräten keine weiteren Gräten im Fleisch. Beim Karpfen sieht es anders aus. Er hat zusätzliche Gräten, namens Y-Gräten. Daher schröpft man die Filets, damit diese Gräten zerkleinert werden und sich beim Braten auflösen.

Wo kann ich heimischen Fisch kaufen?

Die Auswahl an Karpfen, Zander und Forelle ist in heimischen Supermarktregalen oft mager. Zudem sind Forellen oft aus italienischen Aquakulturen. Folgend ein paar Betriebe, wo du heimischen Fisch kaufen kannst:

  • Fischerei Ausseerland: Verkaufsstelle der Österreichischen Bundesforste für Fische aus Wildfang– (aus den Salzkammergut-Seen)- und Aquakultur. Reinanke, Saibling, Seesaibling, Seeforelle, Bachforelle.
  • Mentz: Aquakultur und Ab-Hof-Verkauf in Sankt Peter ob Judenburg. Mentz bietet auch ein wöchentliches „Fisch-Abo“ mit Zustellung. Saibling, Forelle, Lachsforelle
  • Haimel: Die Fischzucht in Traismauer bei Sankt Pölten. Forelle, Huchen, Saibling, Karpfen, Hecht, Lachsforelle, Aal, Stör, Wels, Zander. Jeden Freitag gibt’s dort einen „Fischheurigen“ mit frisch geräucherten Fischen.
  • Gut Hornegg: Biofisch-Zucht im steirischen Sausal mit elf heimischen Arten. Tiefkühl-Zustellung in ganz Österreich. Neben den Klassikern Karpfen, Hecht, Wels, Zander gibt’s dort auch „heimische Exoten“ wie Amur, Brachse, Flussbarsch, Giebel, Rotauge, Rotfeder und Schleie.
  • ARGE Biofisch: Biofisch-Verkauf an Wiener Märkten sowie per Zustellung. Karpfen, Reinanke, Schleie, Saibling, Forelle, Barsch, Hecht, Zander und (leider auch) Lachs.

… und viele weitere mehr!


Quellen:

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