Hannes Novak

Carphunter – Die Zukunft unseres Hobbies?

von Gastautor

Größenjagd auf Instagram und Teamangler als Marionetten der Firmen. Hannes Novak über die neue Generation an Karpfenanglern.

Den Karpfenfischer im herkömmlichen Sinn, so wie ich damit groß geworden bin, den gibt es schon lange nicht mehr. Die heutige Jugend ist durch das Internet und Paylakes viel zu schnell am Ziel. 

Ich habe mir meinen „Mehlteig“ damals als kleiner Junge noch selbst in Mamas Küche geknetet. Als Flavour haben haben wir eine Packung Vanillezucker oder einen Löffel Kakao in den Teig gegeben. 

Damals haben wir auf alles gefischt, was wir damit fangen konnten, von Rotfeder bis Karausche. Natürlich mit der Pose oder mit der Laufmontage. Ich denke, dass ein Großteil der sogenanten Carphunter keine ordentliche Waggler-Montage zusammenstellen kann. 

Infos leicht beschafft

Früher hat man versucht, an so viel Informationen, wie nur möglich über Freunde, Bekannte oder in Gesprächen im Angelladen zu kommen. Es hat damals kaum Informationen zu Gewässern, Regeln oder Boiliezutaten gegeben, wenn man nicht die richtigen Leute kannte.

Mit dem Internet hat sich das sehr rasch geändert. Gemeinsam mit meinem Freund Markus Rosenberger betreibe ich seit Jahren das Karpfenfischerforum carphunter.at. Wir schafften es aus einer Plattform für Freunde und Gleichgesinnte, das größte Karpfenfischerforum mit über 6.000 aktiven Usern zu generieren. Die darin gespeicherten Infos werden von den heutigen Carphuntern natürlich auch genutzt, um sehr rasch an Informationen, wie etwa Boiliezutaten, Bezugsquellen, neue Gewässer und Regeln, zu gelangen. Wir sind früher Anhand von ein paar Informationen an einen großen See nach Frankreich gefahren und wussten nicht einmal, wo genau wir die Lizenz kaufen können und wie der Bestand an Fischen im Gewässer ist.  

Durch diese Informationsrepository wissen unsere Jungangler ganz genau, wo in welchem See einige dicke Fische bis gar 30 Kilo schwimmen. Überspitzt gesprochen heißt das, man kauft sich Rute, Boilies, fährt ein Wochenende in die Steiermark an den richtigen See, wo die Fische gut im Futter stehen und schon fängt man seinen ersten Karpfen in der 20-Kilo-Liga.

Wenn ich zurück denke, wie lange ich gebraucht habe, bis ich den ersten 20 Kilo Fisch im Netz hatte und wieviele Kilometer ich dafür durch ganz Europa gefahren bin. 

Medien befeuern Größenjagd

Mit Facebook und Instagram ist eine ganz neue Generation entstanden. Hier geht es nicht mehr um die Qualität von Beiträgen und Informationswert, sondern aus meiner Sicht nur mehr darum, sich sich als Person zu präsentieren. Die sogenannte Daumen-Hoch-Generation vermarktet sich selbst von der ersten Sekunde an auf Facebook. 

Mehrere tausend Freunde auf Facebook sind verpflichtend, sonst ist man nicht vorne dabei. Und wer noch keinen 25 Kilo Fisch in seiner Galerie hat, der hilft halt ein wenig nach, indem er ein Weitwinkelobjektiv benutzt, um noch ein paar „Kilos“ raus zu holen. 

Doch ohne diese dicken Fische wird man kein Teamangler und das ist ja das Ziel vieler unserer Jungangler. Um mitreden zu können, muss man schon zu einem Teamangler aufsteigen. Wenn es möglich ist natürlich gleich einen Sponsor für Tackle, einen für Baits und einen fürs Haargel finden.

Man darf es aber diesen Junganglern auch nicht übel nehmen. Die Medien leben es ihnen ja auch genau so vor. Nur die dicken Fische zählen und mit einem Durchschnittsfisch kommt man nicht auf das Cover. Es gibt kaum noch Berichte, wo man ohne Fisch wieder heimfährt. Ich möchte gar nicht aufzählen wie oft ich in Italien am Po war und ohne Fisch wieder heimgefahren bin. 

Die Verlockung an so manchen Paylakes mit vielen dicken Fischen ist zu groß für manch einen. Die Wertigkeit der gefangenen Fische definiert immer nur der Angler für sich selbst. Mein persönliches Highlight in meiner Angelei war ein 14 Kilo Fisch aus einem kleinen Fluss in Kroatien. Die Leute im Dorf sind zu mir gekommen, als sie gehört haben, dass ich einen größeren Fisch gefangen habe. So ein Erlebnis mit den einheimischen Leuten rund um meinen Angelplatz zu erleben, war schon was ganz Besonderes für mich. 

Teamangler als Marionetten

Viele Firmen suchen aber genau diese Leute, die ein Image im Internet vermitteln, welches nicht hinterfragt wird. Angler, die mehr Zeit vor dem Bildschirm verbringen als draußen am Wasser. Es geht heute oft nur mehr darum, Produkte zu bewerben und viele Fotos und Videos in Social Media zu streuen. Hier ist ganz klar die Reichweite gefragt und nicht Mehrwert. 

Ich bin selbst als Teamangler bei Fox International eingestiegen und bin derzeit als Consultant tätig. Mein Anliegen ist es immer, konstruktive Kritik an Produkten zurück zu geben und meine Ideen in die Produktentwicklung einfließen zu lassen. Das sind meiner Meinung nach die wichtigen Aufgaben, die ein Testangler für die Firma zu tätigen hat. Ich selbst möchte keine Marionette der Firma sein und nur gebraucht werden, um die Produkte im Internet zu bewerben.

Die Entwicklung, die wir alle derzeit mit den sozialen Medien durchleben, ist eine unfassbar schnelle. Meiner Meinung nach ist es eine schlechte. Alleine wenn man sieht, wieviele Carphunter auf der Bildfläche erscheinen und nach kurzer Zeit auch wieder weg sind, muss man sich die Frage stellen, ob Fischen jetzt zu einer Modeerscheinung geworden ist. With respect for Nature, Hannes.

ZUR PERSON
Hannes Novak
ist einer der bekanntesten Karpfenangler Österreichs. Er war zehn Jahre Consultant bei Fox und wechselte 2020 zur britischen Firma Solar Tackle. Zudem ist er Betreiber von carphunter.at, beschäftigt sich intensiv mit der Ernährung von Karpfen und hat für die Marke Dragonbaits eine eigene Boiliesorte (Dragonbaits HN-1) entwickelt.

Podcast-Folge mit Hannes Novak

2017 haben wir Hannes an seinem Hausgewässer getroffen, an dem alle Karpfen einen Namen haben. Wir sprechen mit ihm über Boilieentwicklung, Futter und das Angeln an schwierigen Gewässern.


Foto: Hannes Novak