Über die Podcast-Hörer

von Stefan Tesch

„Ich betreibe einen Podcast“, erzähle ich als Herausgeber von Fisch Ahoi oft. „Einen … was?“ so die häufige Nachfrage. Sogar jene, die den Aufstieg von Facebook & Co. miterlebt haben, kennen just das Medium Podcast nicht.

Podcasts fristen in Österreich ein Nischendasein. Nur wenige kennen sie und nur wenige nutzen sie. Ein Bauchgefühl, dass sich in – je nach Studie – sehr unterschiedliche Zahlen fassen lässt, wie die Recherche über Podcast-Hörer ergeben hat.

Die dramatische Sicht: Nur vier Prozent regelmäßige Podcast-Hörer

Zwar gibt es keine konkreten Zahlen über die Nutzung von Podcasts in Österreich, aber ein Blick nach Deutschland zeichnet ein trauriges Bild. Die ARD/ZDF-Onlinestudie 2016 hat ergeben, dass zwar zwei Drittel aller Internetnutzer Audioinhalte online konsumieren. Aber nur 13 Prozent davon hören gelegentlich Podcasts und schlappe vier Prozent regelmäßig (1 Mal pro Woche). Seit 2014 hat sich die gelegentliche Nutzung von sieben auf 13 Prozent fast verdoppelt. Bei der regelmäßigen Nutzung stagniert der Wert bei vier.

Ein wenig erfreulicher sind die Zahlen bei den 14- bis 29-Jährigen: Immerhin 24 Prozent hören Podcasts gelegentlich und zehn Prozent sogar regelmäßig. Ein Medium für die Jungen also.

Mehr Bekanntheit genießen Podcasts in den USA. Dort hört sie gut ein Drittel der Bevölkerung, wiederum ein ein Drittel davon sogar wöchentlich.

Wesentlich populärer bei Audiokonsum im Internet ist übrigens Musikhören über YouTube (54 Prozent), Musikdateien herunterladen (40 Prozent) sowie Online-Radio (29 Prozent).

Die erfreuliche Sicht: 80 Prozent der Jungen hören Podcasts

Eine Umfrage des Statistikportals Statista im Jahr 2016 hat weniger ernüchternde Ergebnisse wie die ARD-ZDF Onlinestudie hervorgebracht: „Nur“ 45 Prozent der Befragten gaben an, nie Podcasts zu hören. Im Umkehrschluss gehört also mehr als die Hälfte der Befragten zu Podcast-Hörern. Immerhin 19 Prozent hören seltener und die übrigen 35 Prozent mindestens einmal im Monat und öfter. Auch hier geht hervor, dass Podcasts ein Medium für die junge Generation ist: Nur 78 Prozent der 18 bis 35-Jährigen nutzen Podcasts.

Über die Hörgewohnheiten:

  • Am häufigsten werden Podcasts zu Hause gehört, weniger oft unterwegs und am seltensten beim Sport und in der Arbeit. Erstaunlicherweise ist der Laptop das am meisten genutzte Gerät zum Hören, gefolgt vom stationären Computer. Smartphone rangiert erst auf Platz drei.
  • Podcast-Hörer sind sehr selektiv: Mehr als die Hälfte gibt an, einzelne Podcasts verschiedener Sendungen zu hören. Ein knappes Drittel hört teilweise alle Sendungen eines Podcasts, und 13 Prozent alle Folgen.
  • Am beliebtesten sind Podcasts mit fünf, 15 und bis 30 Minuten.
  • Hohe Werbeakzeptanz & Zahlungsbereitschaft: Die Hälfte kann sich vorstellen, für Podcasts zu zahlen, um keine Werbung zu hören. Allerdings: mehr als die Hälfte fühlt sich durch Werbung am Podcast nicht beziehungsweise nur wenig gestört. Am liebsten haben die Hörer Werbebotschaften am Ende einer Folge. 30 Prozent surfen zur Website des beworbenen Produkts. Alle Ergebnisse der Studie gibt’s hier.

100.000 Abonnenten für „Fest & Flauschig“

Als Aushängeschild für einen erfolgreichen Podcast im deutschsprachigen Raum gilt „Fest & Flauschig“. Entstanden aus einer Radiosendung hat der wöchentliche Talk zwischen den Komikern Jan Böhmermann und Olli Schulz schätzungsweise mehrere 100.000 Hörer. Gestartet wurde der Podcast 2016 und komischerweise gibt es ihn nicht im iTunes Store, dafür auf diversen anderen Podcast-Verzeichnissen sowie auf Spotify. 90 Prozent der Hörer sollen zwischen 18 und 44 Jahren, davon 45 Prozent zwischen 25 und 34 alt sein. Die enormen Reichweiten liegen vermutlich vorwiegend an der Bekanntheit Jan Böhmermann und seiner TV-Show. Inhaltlich kommt in den Podcast-Folgen so ziemlich alles vor. Von Achselhaaren bis Politik, dazwischen Aktuelles aus den Nachrichten sowie Privates der beiden Komiker.

Podcastsommer 2017 in Österreich

Während Österreichs Podcast-Landschaft bisher sehr dünn besiedelt war und größtenteils aus Zweitverwertungen des ORF bestand, kommt jetzt etwas Bewegung rein. Der Sommer 2017 war eine „fruchtbare“ Jahreszeit für Podcasts.

  • Die Journalisten Veronika Dolna, Sebastian Krause, Julia Ortner und Eva Weissenberger starten mit „Ganz Offen Gesagt“ ein Polit-Talk-Format.
  • Die Wiener Wochenzeitung Falter ruft „Falter Radio“ ins Leben, mit ORF-Korrespondenten Raimund Löw als Moderator.
  • Und natürlich Fisch Ahoi – Der Podcast vom Wasser als Special-Interest-Podcast für Angler.

Foto: Nickolai Kashirin

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