Gekauftes Interview

Gekauftes Interview

von Stefan Tesch

„So etwas kostet Honorare. Haben Sie ein Budget?“ – So lautet die Antwort auf meine Interviewanfrage bei einem namhaften deutschen Fischereibiologen. Ja, du hast richtig gelesen: Interview gegen Geld.Gemeinsam mit einem Journalistenkollegen wollte ich ihn am Rande eines Vortrags interviewen. Er für ein Magazin, ich für Fisch Ahoi. Die spannenden Forschungserkenntnisse des Biologen hätte ich gerne meinen Hörern als Podcastfolge serviert. Entsprechend erstaunt war ich über die Antwort.

Ich bin seit fast einem Jahrzehnt als Journalist tätig, habe unzählige Wissenschaftler, Experten und Wirtschaftsbosse interviewt. Auf die Idee, dafür Geld zu verlangen, ist bisher noch keiner gekommen. Ich antworte dem Biologen, bei seriösem Journalismus fließe kein Geld zwischen Redaktion und Interviewpartner. In keine Richtung. Der Biologe entgegnet, er arbeite intensiv mit deutschen Angelmedien zusammen und werde dafür entlohnt. Weiter: Es unterscheiden sich die Gepflogenheiten in Deutschland und anderorts im Angeljournalismus, so seine Nachricht.

Eigene finanzielle Interessen mit kulturellen Gepflogenheiten zu begründen ist stark. Es geht gar nicht darum, ob ein Budget vorhanden ist, oder nicht, sondern um die Haltung des Wissenschaftlers. Ist es nicht die Aufgabe der Wissenschaft, Forschungserkenntnisse der breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen? Ist es nicht unter anderem die Wissenschaft, die uns Innovationen und damit Wohlstand verschafft? Der Biologe gehört einer staatlich finanzierten Forschungseinrichtung an. Gut des Steuerzahlers also. Medien sind die Vermittler zwischen Wissenschaft und Publikum.

Erschreckend, dass der Biologe offenbar stolz ist, von anderen Medien für seine Wortspenden bezahlt zu werden. Ebenfalls erschreckend, wenn sich diese Medien den Forderungen beugen. Fisch Ahoi tut dies nicht und verzichtet unter diesen Umständen auf das Interview. Gekaufter Journalismus verwässert Objektivität und Qualität. So etwas hat in unserer Redaktion keinen Platz.

Wie denkt ihr darüber? Schreibt mir an redaktion@fischahoi.at.

Foto: Jeremy Paige on Unsplash

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